Kübelesmarkt Bad Cannstatt

Unsere Geschichte

Obwohl es im protestantischen Württemberg kaum Fasnachten gab, feierten unsere Vorfahren in Cannstatt bereits im 19. Jahrhundert herrliche Fasnachten. Der erste nachweisbare Narrenumzug fand 1855 in Cannstatt statt.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab Gustav Schmid, der damalige Wirt des Kursaals, um die Fasnetszeit einen Hausball. Im Jahr 1924 bekamen der bekannte Volksschauspieler Albert Hofele und der Kunstmaler Hermann Metzger die Aufgabe gestellt, einen Ball unter dem Motto „Mit dem Zeppelin zum Mond“ auszurichten. Die beiden meisterten ihre Aufgabe hervorragend und die Gäste waren begeistert. Aufgrund des Erfolges kamen diese drei Herren überein, künftig jedes Jahr ein zugkräftiges Motto für die Hausbälle zu wählen. Gustav Schmid ging sogar noch weiter und regte an, für diese Großveranstaltung einen Verein als Träger zu gründen. Albert Hofele war der Meinung, als Name für diesen Verein einen Begriff zu nehmen, der aus dem Volksbrauch stamme. In einer Besprechung mit den Cannstatter Geschäftsleuten im Oktober 1924, kam man dann auf den Namen Kübelesmarkt und legte fest, dass der nächste Hausball (1925) auch das Motto „Kübelesmarkt“ haben sollte.
Als Verkleidung sollte eine stilisierte Bauerntracht geschaffen werden, die auf einer alten Lithographie zu sehen war: Eine schwarze Hose, ein weißes Hemd, rote Weste, Küblerknoten und ein schwarzes rundes Bauernhütchen mit einer langen Edelfasanfeder. Die Tracht der heutigen Küblerräte war fast geboren, denn der schwarze Janker kam wenige Jahre später hinzu.

Seither ist viel Wasser den Neckar hinuntergeflossen und aus dem Geselligkeitsverein ist eine Zunft geworden, die in der närrischen Diaspora die Fahne der schwäbisch-alemannischen Fasnet hochhält.

Noch mehr Information findet ihr hier

Vorheriges Bild
Nächstes Bild
Slider

Unsere Figuren

Die Felbe

Die Hauptfigur der Cannstatter Fasnet ist die Felbe. Sie entstand 1952 nach einer Ortslegende. Demnach soll in den „Pfälzischen Erbfolgekriegen” 1688-1697 die Cannstatter Bürgerwehr aus Angst vor den Französischen Soldaten unter dem Mordbrenner General Ezéchiel Graf von Mélac, in Alarmbereitschaft versetzt worden sein. Am frühen Morgen, als Nebelschwaden über den Neckar zogen, sah der Wachhabende plötzlich baumlange Kerle am anderen Ufer und die Bürgerwehr rückte todesmutig aus. Als sich der Nebel lichtete, waren die tapferen Cannstatter sehr erstaunt, dass die „Franzosen” nur Felben – der mundartliche Ausdruck für Korbmacherweiden – waren. So kamen die Cannstatter zu dem Necknamen „Felbaköpf”.

Die Maske der Felbe ist eine groteske Lindenholzmaske, die den Kopf der Weide darstellt. Das Häs ist ein buntes Blätzleshäs in den Farben grün, rot, orange und braun und besteht aus bis zu 2000 Filzblätzle, die von jedem Hästräger selbst aufgenäht werden. In der Hand trägt die Felbe eine Weinbergrätsche.

Der Brunnengeist

Die Einzelfigur des Brunnengeistes trägt ein schilfgrünes Gewand mit Schilf- und Fischapplikationen. Seine eindrucksvolle, im barocken Stil geschnitzte Holzmaske ist von einer Perücke aus Hanf umgeben. In seiner Hand trägt er einen langen Stab auf dessen Spitze ein Fisch sitzt. Der Brunnengeist erinnert an das größte Mineralwasservorkommen West-Europas. Er wird am 6. Januar aus den Tiefen der Mineralquellen geweckt und aus dem Jakobsbrunnen geholt, in dem er am Fasnetsdienstag nach einer wilden Treibjagd wieder versenkt wird.

Der Mond

Ebenfalls auf eine wahre Ortsgegebenheit basierten die Monde. In einer lauen Nacht waren einige Zechbrüder auf dem Heimweg, stark angeregt durch ein paar Viertele Cannstatter Zuckerle, als sie den Turm des Uff-Kirchleins in Flammen sahen. Rasch alarmierten sie die Feuerwehr und bald scholl es aus vielen Kehlen: „Fuirio s`Uffkirchle brennt, holat Stroh ond löschat gschwend!” Doch als sie die Rohre auf den Kirchturm richten wollten, war von Flammen keine Spur. Nur der Mond schien kräftig durch die bunten Fenster. Von da an hatten die Cannstatter ihren zweiten Necknamen: „Mondlöscher”.

Der Mond, 1992 neu geschaffen, lockert das grün-rote Bild der Felben mit seinem blauen Leinenhäs mit goldenen Sternapplikationen und dem roten Besatz angenehm auf. Es ist die einzige Maske der schwäbisch-alemannischen Fasnet die zwei Gesichter in sich birgt; vorne ist der Vollmond, von der Seite der Halbmond zu erkennen. Um die Schulter trägt er zwei bis sechs Schellenriemen, in der Hand die Narrenwurst, Pritsche oder Streckschere. Die rote Maskenhaube und das Käpple mit den drei Fuchsschwänzen bringen einen fröhlichen Farb- und Formenakzent.

Mondlöscher

Die Entstehung der Cannstatter Mondlöscher als Fasnets-Figur basiert auf einer wahren Ortsbegebenheit am Ostersamstag, den 09. April 1887. Zu der Zeit hatten die Cannstatter Bürger eine freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen, deren Alarmierung normalerweise von einem, auf dem Stadtkirchturm befindlichen, Wächter abhängig war. Dieser Feuer-Wächter meinte ein Feuer in der Richtung des Uffkirchhoffs zu sehen, als er nach Fellbach blickte.

Die sofort alarmierte Feuerwehr wurde in Windeseile zusammengetrommelt und eilte zum Brand. Am Ort des Geschehens angekommen, mussten die tapferen Bürger jedoch feststellen, dass nur der rot anmutende, aufgehende Vollmond die kleine Kapelle in ein bizarres Lichtspiel hüllte.

Auf dieser Geschichte basierend, werden die Cannstatter auch heute noch Mondlöscher genannt. Nach einer Idee der Jungkübler, wurde dem Mondlöscher als Fasnetsfigur 1962, mit Gerhard Aldinger als Brandmeister, wieder Leben eingehaucht und 1967 als eigenständige Abteilung des Kübelesmarkt Bad Cannstatt e.V. anerkannt.

Mehr erfahren

Geizig

In der Cannstatter Fasnet gibt es neben dem Brunnengeist seit 1961 noch eine weitere Einzelfigur: den Geizig.

Schlag 12 Uhr am Fasnets-Dienstag zieht der Geizig mit Hunderten Kindern in der Marktstraße von Laden zu Laden und führt einen Heischebrauch (Fordern und Erbitten von Gaben) durch:
Geizig und Kinder fordern lautstark von den Ladenbesitzern eine närrische Bescherung in Form von Essbarem: „Geizig, geizig, geizig isch der …, und wenn der ned so geizig wäre, dann gäb er no a paar Bonbons her.“
Von den teilnehmenden Geschäften gibt es nach einigem Hin und Her die gewünschten Waren.

Für die behinderten Kinder der Helene-Schoettle-Schule kommt der Geizig in die Schule nach Steinhaldenfeld.

Mehr erfahren

Küblerbüttel

Der Büttel ist eine typische Fasnetsfigur, wie man sie in vielen Zünften findet. Auch in der Cannstatter Fasnet spielt der Büttel eine wichtige Rolle. Er verkörpert gewissermaßen die Narrenpolizei. Mit seiner Schelle schreitet er stets lautstark vorneweg, er ist zuständig für das Einläuten der Fasnet und Verlautbarungen aller Art. Beim Rathaussturm und dem Närrischen Tribunal verliest er die Anklage der Narren gegen die Obrigkeit. Der Cannstatter Büttel ist aber nicht nur in der Fasnet aktiv, als historische Figur tritt er das ganze Jahr bei verschiedenen Veranstaltungen wie dem Maibaumfest oder dem Volksfestumzug in Erscheinung.

Er trägt eine authentische, historische Bütteluniform, die nach einem historischen Vorbild aus dem Württembergischen Polizeimuseum in Deizisau originalgetreu rekonstruiert wurde.

Verkörpert wird der Cannstatter Büttel leidenschaftlich durch Wolfgang Pfeffer, der 2020 sein 20-jähriges Dienstjubiläum feiert.

Mehr erfahren

Spielmannszug

Der Spielmannszug und Fanfarenchor wurde im Mai 1950 gegründet. Er schloss sich 1954 dem Kübelesmarkt Bad Cannstatt an, um das Brauchtum in der Region zu pflegen.

Die Fülle der Aktivitäten der letzten fast 60 Jahre sorgte für einen guten Ruf des Spielmannszuges und Fanfarenchores, der bis weit über die Grenzen der Sauerwassermetropole ins Ausland reicht. Auftritte z.B. in Frankreich, Irland und der Schweiz füllten ebenso die Kalender, wie die Teilnahme an Veranstaltungen in Winsen an der Luhe, Burgsteinfurt/Westfalen oder München.

Mehr erfahren

Waschweiber

Bewaffnet mit Klobürste und Rasierschaum ziehen die Waschweiber des Kübelesmarkt Bad Cannstatt während der Fasnetszeit durch Cannstatts Kneipen und Gassen.

Mit Witz und Charme seifen die Waschweiber die Männer ein, machen sie „schö“, indem sie ihnen neue Frisuren verpassen und diese dann mit ihren begehrten, liebevoll, selbstgestalteten Klämmerla krönen.

Doch die Waschweiber seifen nicht nur ein, nein sie singen auch. Selbst getextete Lieder, die Alltägliches, Aktuelles oder was immer ihnen einfällt, aufgreifen und fasnetsgerecht verpacken, damit zum Zuhören und Mitsingen animieren und für Stimmung sorgen.

Mehr erfahren