Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. grüßen die Narren und Besucher des Großen Narrentreffens 2020.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Die schwäbisch-alemannische Fasnet gehört zum kulturellen Schatz Baden-Württembergs und hat bei uns im Südwesten eine lange Tradition. Über 90 Jahre nach dem ersten Narrentreffen im Januar 1929, treffen sich die 68 Narrenzünfte der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V. (VSAN) und viele Partnerzünfte am 18. und 19. Januar 2020 zum großen Narrentreffen in Bad Cannstatt. Alle Närrinnen und Narren heiße ich dazu herzlich willkommen.

In einer Welt, die geprägt ist von Umbrüchen und einem rasanten gesellschaftlichen Wandel, bedeuten Traditionen ein Stück Identität und geben uns Halt und Orientierung. Und das Schöne daran ist: Diese Traditionen machen zudem großen Spaß. Viele Menschen in BadenWürttemberg sind daher – wie auch ich – der schwäbisch-alemannischen Fasnet eng verbunden. Die „fünfte Jahreszeit“ mit ihren Bräuchen als Schwellenfest zur österlichen Fastenzeit ist fester Bestandteil unseres Kalenders. Davon zeugt nicht zuletzt der Eintrag der Schwäbisch Alemannischen Fastnacht in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Auch für unsere Demokratie spielt die Fasnet eine Rolle, dürfen die Närrinnen und Narren doch die Politik verbal so richtig aufs Korn nehmen und den Politikerinnen und Politkern mal ordentlich die Leviten lesen. In autoritären Systemen wäre das undenkbar und so hatte die Obrigkeit in früheren Zeiten durchaus ihre Schwierigkeiten mit dem närrischen Treiben. Davon zeugen die vielen Fasnachtsverbote im Laufe der Geschichte. Auch die Gründung des VSAN im Jahre 1924 geht unter anderem auf eine unsichere politische Lage sowie zahlreiche Fastnachtsverbote zurück. Die Närrinnen und Narren suchten nach einer Möglichkeit ihre Interessen gegenüber der Politik gewinnbringend zu vertreten und sahen dies am ehesten durch einen Zusammenschluss gewährleitet.

Mein Dank gilt der der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V., die mit dem Großen Narrenumzug dafür sorgt, dass die Fasnet mit ihren Bräuchen in unserer Gesellschaft lebendig und sichtbar bleibt. Den tausenden Hästrägerinnen und Hästrägern wünsche ich schöne närrische Tage und allen Zuschauerinnen und Zuschauern viel Freude beim großen Umzug und seinen Feierlichkeiten in Bad Cannstatt.

Mit drei kräftigen Kübler A-hoi

Winfried Kretschmann
Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

VSAN Präsident Roland Wehrle

Liebe Freundinnen und Freunde der schwäbisch-alemannischen Fastnacht,

zum 24. Großen Narrentreffen in der Geschichte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht grüße ich die vielen tausend Narren aus dem gesamten schwäbisch-alemannischen Kulturraum. Wenn wir uns am 18. und 19. Januar 2020 in Bad Cannstatt treffen, wird dies nach 1968 sowie 1992 das dritte Große Narrentreffen in der alten Narrenstadt am Neckar sein. Und immer hieß der Zunftmeister Kauderer – war es 1968 der Großvater, Hans Kauderer, 1992 der Vater, Robert Kauderer, so trägt heute Steffen Kauderer die Verantwortung für die Zunft und das Große Narrentreffen.

Das letzte Treffen 1992 war gleich in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: Denn durch den Ausfall der Fastnacht 1991, infolge des Golfkrieges, war das Bedürfnis wieder fröhlich zu feiern, besonders ausgeprägt. Hinzu kam die erste Liveübertragung im SWR, die dazu führte, dass die mehr als 15000 Teilnehmer bis weit in die Abendstunden durch Bad Cannstatt zogen. Erstmals erfuhren und bewunderten hunderttausende Zuschauer in Deutschland und über Satellit sogar weltweit die schwäbisch-alemannische Fastnacht, als ganz besondere kulturelle Ausprägung. Hatten bislang nur die großen karnevalistischen Sitzungen und Umzüge in Köln, Düsseldorf und Mainz ihren Niederschlag in den Medien gefunden, so stand nun auch plötzlich unsere Fastnacht im Mittelpunkt des medialen Interesses.

Welchen Stellenwert, Anerkennung und Wertschätzung die schwäbisch-alemannische Fastnacht in der Zwischenzeit genießt, wird durch den Eintrag in das nationale Kulturerbenregister der UNESCO in Deutschland deutlich. Als Trägergruppe des Kulturerbes steht Deutschlands älteste Narrenvereinigung in einer ganz besonderen Verantwortung. Dies aufzuzeigen und die ganze Vielfalt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht erlebbar zu machen, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes.

Hinzu kommen die Förderung der örtlichen Fastnacht sowie die Belebung der historischen, aber auch freien Elemente sowie die Bewahrung der fastnächtlichen Traditionen.

Bereits fünf Jahre nach der Gründung des Verbandes 1924 fand 1929 das erste Narrentreffen in der Geschichte der Fastnacht in Villingen statt. Es war der Übergang von der gelebten Fastnacht im Ort, hin zu einer überregionalen durchorganisierten Brauchpräsentation. Damals, wie heute, sehen wir die Fastnacht mit all ihren Erscheinungsformen als kreativen Ausdruck des regionalen kulturellen Erbes, mit einer in hohem Maße identitätsstiftenden gemeinschaftsbildenden Funktion. So trägt auch dieses Narrenfest dazu bei, als generationen- und schichtübergreifendes Gemeinschaftserlebnis den sozialen Zusammenhang und die Begegnung der Narren untereinander zu fördern. Mögen daher während des Treffens viele Menschen einmal mehr erkennen, dass in der Bewahrung unserer Bräuche in Segen liegt.

Seien wir dankbar, dass 1924 bzw. 1929 unsere Mütter und Väter in einer schwierigen Zeit nicht nur den Verband gegründet, sondern auch diese närrischen Begegnungen ermöglicht haben. So war das erste Treffen 1929 (siehe hierzu den Artikel „das schwäbisch-alemannische Narrentreffen in Villingen“) eine eindrucksvolle, länderübergreifende Demonstration für den Erhalt der fastnächtlichen Bräuche und die Kultur unseres Landes.

Mein Dank geht an alle, die unsere Fastnacht in den vergangenen Jahrzehnten gestaltet, erhalten und weiterentwickelt haben. Dem Kübelesmarkt Bad Cannstatt und allen, die zum Gelingen dieses Narrentreffens beitragen, sage ich ein herzliches Dankeschön.

Uns allen wünsche ich ein glückseliges Narrenfest und entbiete ein herzliches Narri-Narro!

 

Roland Wehrle

Präsident

Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e.V.